Post by (schmuck) Apr 2012
Vor einem Jahr noch hat das Moorbad „Ilona“ sein 55-jähriges Bestehen gefeiert. 1956, damals begann das Kurwesen in Bad Buchau gerade zu blühen, hatten der frühere Schuhhausbesitzer Josef Greis und seine Frau Karoline den Betrieb gemeinsam aufgebaut. In den vergangenen Jahrzehnten hat das mit rund 50 Betten vergleichsweise kleine Sanatorium verschiedene Ein- und Umbrüche im Gesundheitswesen überstanden.
Und auch heute noch befinde man sich wirtschaftlich auf solider Basis: „2011 konnten wir die Belegungszahlen steigern, das Haus steht gut da“, sagt Jutta Gnann, die den Betrieb gemeinsam mit ihren vier Schwestern führt – in dritter Generation, Josef und Karoline Greis waren ihre Großeltern. Wirtschaftliche Gründe, betonen die Schwestern, haben sie nicht zur Schließung bewogen. Der Entschluss sei ihnen aber auch so keineswegs leicht gefallen. „Wir haben versucht, innerhalb der Familie einen Nachfolger zu finden. Das beschäftigt uns schon seit langem“, berichtet Ilona Gnann-Schmuck.
Nach ihr, der zweitältesten Enkelin, hat der Großvater einst das Moorbad benannt. Für die Gäste bekam das Moorbad „Ilona“ so ein Gesicht und hat wohl auch zur familiären Atmosphäre beigetragen, die von den Besuchern so geschätzt wurde. Unter ihnen befänden sich viele Stammgäste, die dem Haus schon seit Jahrzehnten die Treue hielten. „So etwas wie hier gibt es halt nur noch selten, ein Familienbetrieb mit sehr persönlicher Atmosphäre und tollen, motivierten Mitarbeitern“, verweist Ilona Gnann-Schmuck auf die Vorzüge des „einzigen privaten Moorsanatoriums in Oberschwaben“.
„Die Schließung ist bedauernswert – und bedeutet leider ein leer stehendes Objekt in der Stadt mehr“, findet auch Bad Buchaus Bürgermeister Peter Diesch. Die Stadt werde die Folgen sicherlich zu spüren bekommen. Nicht zuletzt bei den Übernachtungszahlen. Immerhin 7700 der insgesamt 280000 Übernachtungen seien im Jahr 2010 auf das „Ilona“ gegangen. Verlieren werde aber auch die Vielfalt des Kurangebots in der Stadt: „Was die Moorbehandlungen betrifft, war das einer der richtig guten Anbieter“, so Diesch.
„Unsere Leute haben hier eingekauft, Veranstaltungen und kulturelle Einrichtungen besucht – und auch die Stadt ein Stück weit belebt“, berichtet Jutta Gnann. Umso mehr hofft die Familie, dass es doch irgendwie weitergehen wird. Schließlich sei in der Vergangenheit regelmäßig investiert worden. Der laufende Betrieb werde zwar im Laufe des nächsten Monats eingestellt, keine weiteren Buchungen mehr angenommen. Die Firma selbst aber soll erhalten bleiben. „Wir hoffen, dass ein neuer Besitzer den Betrieb wieder aufleben lassen wird“, sagt Jutta Gnann. Die Stadt hat ihre Unterstützung dafür bereits zugesagt.
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