Post by (schmuck) Apr 2012
Christine N. muss heute stark rechnen. Aber als die 68-Jährige in Rente ging, hat sie erst einmal so weitergemacht, wie in den vielen Jahrzehnten zuvor als Postangestellte: Friseur, Sonnenbank, mal eine schöne Bluse kaufen, obwohl die Minirente das alles nicht mehr hergab.
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Jetzt hat Christine N. Schulden bei der Bank und weiß nicht, wie sie die wieder zurückzahlen soll. Eine Lösung könnte sein, bei der Tafel kostenlos "Essensrationen" abzuholen und den Einkauf zu sparen. "Aber da schäme ich mich. Wenn die Leute aus dem Viertel sehen, dass ich da für umsonst Schlange stehe, dann denken die: Die ist eine Bettlerin geworden."
Christine N. könnte auch ihre erwachsenen Kinder um Hilfe bitten. Aber vor denen schämt sie sich noch mehr als vor ihren Nachbarn. Jetzt muss sie sich entscheiden. Wer oder was soll ihr in Zukunft in der Altersarmut helfen?

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Um durch den Monat zu kommen, muss Christine N. ihren Familien-Schmuck veräußern.

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Harry N. abends beim Flaschen sammeln.
Sparen, sparen, sparen
Jeden Abend gehen bei Harry N. die Lichter aus. "So spare ich im Monat rund zwölf Euro", erzählt der 75-Jährige, während er die Deckenbeleuchtung in seiner kleinen Wohnung ausknipst. Danach dreht seine zittrige Hand die Kurbel einer Akkulampe, bis das Lämpchen ganz schwach die Umrisse seines ärmlichen Wohnzimmers ausleuchtet. Eine Stunde lang, dann geht die Lampe aus und Harry N. muss wieder kurbeln. "Zum Lesen reicht das nicht, da muss ich dann noch Kerzen anzünden. Es ist erbärmlich, aber Hauptsache, ich spare. Die Rente reicht einfach nicht bis zum Monatsende."
Jetzt will Harry N. raus aus seinem Elend. Endlich wieder in Würde leben. Ohne Tafel. Ohne Flaschen sammeln. "Wenn ich nur 400 Euro mehr hätte, das wäre Luxus", schwärmt er. Er plant, einen Job zu finden. Aber wer wird den 75-Jährigen noch nehmen?

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Harry N. spart Strom, indem er bei Kerzenschein liest.

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Ihre finanzielle Situation bedrückt Ilse Sch.
Die Rente reicht einfach nicht
So wie Harry N. geht es Tausenden von Rentnern in Deutschland. Auch Ilse Sch. hat viel zu wenig zum Leben. Ihr Mann muss seit ein paar Jahren gepflegt werden, und das Heim wird von der Rente bezahlt. Wenn die ehemalige Feinkostfachverkäuferin sich ein gutes Stück französischen Camembert leisten will, muss sie auf zwei Abendessen verzichten, erzählt die 85-Jährige. Einmal im Monat geht sie ins Theater. Dafür lässt sie dann drei Tage das Essen ausfallen.
"Das strecke ich dann über den Monat, also konsumiere in drei Wochen einen Tag gar nichts, trinke nur Leitungswasser. Das ist ein mieses Gefühl, und manchmal denke ich: Lieber Gott, lass mich morgen nicht mehr aufwachen." Eigentlich hätte Ilse Sch. sogar noch etwas Geld, ein Sparbuch mit 2.000 Euro. Aber das hält sie eisern zurück. Für die Beerdigung ihres Mannes.

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Die gesparten 2000 Euro sind für die Beerdigung von Ilses dementen Mann zurückgelegt.
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Altersarmut wächst rasant
Drei Schicksale, die für eine massenhafte und ernüchternde Entwicklung in Deutschland stehen. Altersarmut wächst rasant. 37 Grad erzählt, wie der "wohlverdiente Ruhestand" für manche aussieht, wie die Menschen unter der Armut leiden und wie sie versuchen, sich mit letzter Kraft gegen

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